Traditionelle Rathauserstürmung in Rhens

Trotz eisiger Kälte kochte bei den Möhnen vom Scharfen Turm die Stimmung

Rhens. Rheinischer Karneval wird in Rhens ausgiebig gefeiert. Dazu gehört auch die Weiberfastnacht, die hier von den Möhnen vom Scharfen Turm gestaltet und gelebt wird. W07_Rhens-01868Selbstverständlich ist der Schwerdonnerstag „ihr“ Tag, an dem sie sich jedes Jahr schon früh am Morgen treffen und sich innerlich auf die schwierige, kommende Aufgabe vorbereiten. Schließlich gilt es, die Gemeindeverwaltung und den Stadtbürgermeister Raimund Bogler davon zu überzeugen, ihre Macht für die tollen Tage in ihre Hände zu legen. So zogen sie auch in diesem Jahr vom Bahnhof gemeinsam los, um sich in der Nähe des Rathauses auf das Kommende vor zu bereiten. Der eisigen Kälte trotzten sie mit Hilfe von heißem Kaffee und Glühwein. Punkt 11.11 Uhr versammelten sie sich, begleitet vom Fanfarenzug Rhens 1971 e.V., vor der Rathaustür, klingelten und klopften. Als sich von innen keine Regung zeigte, versuchten sie musikalisch das Öffnen der Tür zu erzwingen. Endlich öffnete sich die Tür und Raimund Bogler und der erste Beigeordnete Jörg Schüller zeigten sich den Möhnen vom Scharfen Turm. Beide und weitere Männer und Frauen der Gemeindeverwaltung, hatten sich mittelalterlich verkleidet. Der Stadtbürgermeister war Robin Hood, sein Vertreter der Sheriff von Nottingham. W07_Rhens-01883Drei Bedingungen stellten sie, bevor sie die Macht beziehungsweise den Rathausschlüssel abgaben, darunter ein Duell mit Pfeil und Bogen und hoch zu Ross. Wen wundert es, dass die Möhnen, vertreten durch die zweite Vorsitzende Roswitha Frickel, in allen Disziplinen als Siegerin hervorgingen. Im bunt geschmückten Rathaus kochte die Stimmung, alles war vorbereitet, um die Übernahme für die weiblichen Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Amüsiert lauschen die Möhnen den nicht ganz so ernstgemeinten Worten des Stadtbürgermeisters, die er ans Volk richtete, bevor er endgültig die Macht in die Hände der Weiber legte. Denn Raimund Bogler jammerte: „Es gibt so manchen Grund, warum ich leide wie ein Hund!“ Das Mitleid der Anwesenden hielt sich in Grenzen, endete sogar in brüllendem Gelächter, als er verkündete was es Positives in seinem Leben als Bürgermeister gibt: „Dazu gehört der Karneval, dem verfallen bin ich auf jeden Fall!“ Roswitha Frickel gab ihm den guten Rat zur Machtübergabe, denn so hätte er mehr Freizeit und könnte mit seinem Hund spazieren gehen, ohne wegen seines Amtes angesprochen zu werden. So geschah es, ab da regierten die Möhnen vom Scharfen Turm bis zum  Aschermittwoch, und es wurde gefeiert, geschunkelt, viel gelacht und manches Glas Sekt geleert.  EP