Alken feierte zum 770. Mal das „Moosemannfest“

Von tapferen Rittern auf einer Burg und einer listigen Tat

 

Ein historisches Spektakel mit viel Symbolik

Alken. In uralten Zeiten war „Alkena“ der Ort des Geschehens, an dem Ritter, ein Junker und die Burg Thurant eine tragende Rolle spielten. Und jenes Geschehen wird seit 770 Jahren in Alken nachgelebt und als „Moosemannfest“ zelebriert. W10_Alken_Moosemann-0428Es ist ein ritterliches Spektakel, welches am dritten Fastensonntag gefeiert wird. Auch in diesem Jahr konnten die Heimatfreunde Alken e.V., die das Fest organisieren, sich über zahlreiche Besucher aus Nah und Fern, sowie über einen wunderschönen, sonnigen Frühlingstag freuen. Bevor die Historie um den tapferen Junker Emmerich und dessen listige Tat den Gästen erzählt und vor Augen geführt wurde, hatten sie genug Zeit etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. Der Tag startete mit einem Frühschoppen, kurz danach standen warme Speisen, Getränke, Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl zur Auswahl. Um 14 Uhr versammelten sich die Schaulustigen vor dem Nachbau der Burg Thurant in Ufernähe der Mosel. Vor dem Umzug, der das Geschehen symbolisierte und durch die Gassen Alkens führte, erzählte ein Ritter hoch zu Ross, was in jener Nacht des Jahres 1248 geschah. W10_Alken_Moosemann-0456Dabei spielt die geschichtsträchtige Burg Thurant, das Wahrzeichen des Moselortes, eine tragende Rolle. In jener Zeit versuchten schon seit einem Jahr die Erzbischöfe zu Trier und Köln die Burg in Besitz zu nehmen, griffen über den Bleiden- und Schafberg kommend immer wieder an. Tapfer hatten sich die Burginsassen bisher erfolgreich und ausdauernd gegen die Invasion gewehrt. Doch jetzt neigten sich die Vorräte dem Ende zu und sie gerieten in arge Bedrängnis. Eine List musste her, um sie aus der misslichen Lage zu befreien. Es war der Junker Emmerich von Leinigen, der sich im Dunkel der Nacht aufmachte, um Hilfe zu holen.  Ihm gelang es, die feindliche Linie am Nordhang zu durchbrechen. Er tarnte sich in einem Ballen aus Moos und rollte ins Tal hinab. Dort angekommen, befreite er sich und machte sich auf den Weg nach Heidelberg. Am Morgen fanden die Belagerer den Moosballen und stachen mit ihren Speeren und Piken hinein, doch vergebens. Vergebens war leider auch die Mühe des tapferen Junkers, da Burggraf (und Raubritter) Berlewin von Alzey – bekannt als Zurno – noch vor dem Eintreffen der Hilfe kapitulieren musste. Beim Moosemannfest ist es immer ein Erstklässler, der den tapferen Junker Emmerich mimt. In diesem Jahr war es der sechsjährige Moritz Schunk, der sich als Moosemann unter einem geschmückten Baum versteckte. Er war Teil des bunten Zuges, der mit Musik, einer Schar von großen und kleinen Rittern, begleitet von Festbesuchern und vielen Kindern mit Weinbergspfählen in der Hand, durch Alkens Gassen zog. Die Pfähle erinnerten an die Speere und Piken, mit denen die Belagerer nach dem Entkommenen suchten. Die in historische Kleider gewandete Ritterschaft symbolisierte den Ritter und Burgvogt Berlewin von Alzey, und die Gruppe „Legatio ex Colonia Agrippinensis“ die Lehnsmänner des Erzbischofs zu Köln mit Mannen und Weibsleut. Traditionell werden die Waffen der Kinder nach dem Umzug gegen Brezel getauscht. Diese leckere Aufgabe übernimmt das zuletzt in Alken getraute Paar. In diesem Jahr verteilten Anne und Matthias Schunk die süßen Köstlichkeiten. Den Moosemann und seine Träger belohnten sie mit Riesenbrezeln. Während der Veranstaltung hatten Interessierte die Gelegenheit, die über 1000 Jahre alte Michaeliskapelle und die Fallerport – ein Teil der Stadtmauer Alkens – zu besichtigen. Mit einem Umtrunk auf dem Festplatz endete das 770ste Moosemannfest, Ritterrüstungen, Hellebarden und historische Gewänder verschwanden wieder in den Schränken und Alkena wurde wieder zu Alken.   EP