Das „Calidore String Quartet“ präsentierte „Ostern mit Beethoven“

Freunde der klassischen Musik zu Gast in der Matthiaskapelle Kobern-Gondorf

 

Ein Konzert der Villa Musica

Kobern-Gondorf. Eine stimmungsvollere Kulisse ist kaum vorstellbar, und für die vier jungen Musiker aus der Weltmetropole New York City war es der passende Ort für ihren furiosen Auftritt. Sie präsentierten in der Matthiaskapelle ein Konzert der Villa Musica, das unter dem Motto stand „Ostern mit Beethoven“. Es war auch diesmal wieder ein ausverkauftes Haus, viele Freunde der klassischen Musik erfreuten sich an der Darbietung der Künstler des „Calidore String Quartet“. W14_Kobern_Konzert-0631Seine Mitglieder sind die Geiger Jeffrey Myers und Ryan Meehan, der Bratschist Jeremy Berry und die Cellistin Estelle Choi. Der Name des Quartetts setzt sich aus ihrer Heimat California und dem französischen Wort für golden „doré“ zusammen, was auch als Anspielung auf den Beinamen Kaliforniens „The Golden State“ zu verstehen ist. Das Calidore String Quartet wurde 2010 an der Colburn School of Music in Los Angeles gegründet und wirkt mittlerweile in New York City. Spektakuläre Erfolge bei Wettbewerben begleitete den steigenden Erfolg des jungen Ensembles: 2012 beim ARD Wettbewerb in München, später beim Hamburger Kammermusikwettbewerb und bei praktisch allen bekannten Chamber Music Competitions in den USA. Für Schlagzeilen sorgten sie, als sie 2016 den neu gestifteten Grand Prize der M-Prize International Chamber Music Competition gewannen, den mit 100.000 US-Dollar höchst dotierten Kammermusikpreis der Welt. Mittlerweile wurde das Quartett von BBC Radio 3 in den erlauchten Kreis der New Generation Artists aufgenommen und 2017 mit dem Emerging Artist Award des Lincoln Center in New York ausgezeichnet. W14_Kobern_Konzert-0639Die Chamber Music Society am Lincoln Center ermöglichte dem Quartett eine dreijährige „Residency“, die in diesem Jahr endet. In der Matthiaskapelle begannen die vier jungen Streicher ihre Matinee romantisch, lieblich mit einem Werk von Felix Mendelssohn (1809-1847).  Dieser begann die Arbeit am Quartett D-Dur, op. 44 Nr. 1 kurz nach seiner Hochzeit im Jahr 1837. Es sollten noch zwei Jahre vergehen, bevor sein Werk bei der Uraufführung tosenden Beifall erntete. Im weiteren Programmverlauf brillierten die Musiker mit dem 9. Quartett des Russen Dmitry Schostakowitsch, der von 1906 bis 1975 lebte und 15 Streichquartette schrieb. Er ist der größte russische Komponist des 20. Jahrhunderts. Zum krönenden Abschluss des Konzertes spielte das Calidore String Quartet Ludwig van Beethovens Komposition Quartett C-Dur, op.59 Nr. 3 (drittes „Rasumowsky-Quartett). Es entstand im Auftrag des russischen Gesandten am Kaiserlichen Hof Andrej Kyrillowitsch Rasumowsky und galt bei den Zeitgenossen Beethovens (1770-1827) zunächst als „Flickwerk eines Wahnsinnigen“. Es fordert von den Streichern eine bogentechnisch hohe Festigkeit. Das amerikanische Quartett begeisterte mit geballten Rhythmen, spielte sich mit stürmischen Klangfolgen dem grandiosesten Schluss entgegen, den Beethoven jemals für ein Quartett geschrieben hat: einem Aufstieg der ersten Geige über ganze drei Oktaven, gefolgt von wahrhaft orchestralen Schlussakkorden. Für dieses atemberaubende Finale empfingen die jungen Musiker den Applaus und Jubel der beeindruckten Zuhörer und Zuhörerinnen.  EP