Eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Langjährige Freundschaft zwischen Winningen und dem Koblenzer Sanitätsregiment offiziell besiegelt

Feierliche Beurkundung in der August-Horch-Halle

Winningen. Patenschaften mit Einheiten der Bundeswehr haben in der Gemeinde Winningen in gewisser Weise Tradition, denn am ehemalig größten Garnisonsstandort Koblenz gab es von Beginn an gute und manches Mal auch enge Kontakte zu Angehörigen der Bundeswehr. Daraus entstanden Freundschaften, sogar Beziehungen für ein ganzes Leben. „Schuld“ daran hat sicherlich auch der Winninger Wein und Veranstaltungen, bei denen er eine Rolle spielt. Angehörige der Bundeswehr genossen und genießen gerne die besondere Atmosphäre im historischen Weinort. Und für so manche Winninger Bürger/Bürgerinnen fand und findet das Berufsleben bei der Bundeswehr statt. W07_Winningen-3436Auch als Helfer in der Not erwiesen sich die Einheiten der Bundeswehr. Noch bevor die erste offizielle Partnerschaft begründet wurde, halfen sie in den 1950er und 1960er Jahren bei der Räumung der von Hochwasser bedrohten Campinginsel Ziehfurt. Die Begründung der Patenschaft sollte am 24. Mai 1978 stattfinden. Doch Hochwasser löste wieder mal Katastrophenalarm für die Insel aus, das Feiern musste entfallen, denn die Metternicher Pioniere unterstützten die Winninger bei der Evakuierung Ziehfurts. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, so begründeten die Gemeinde und die 1. Kompanie des schweren Pionierbataillons 850 einen Monat später am 23. Juni 1978 in Koblenz-Metternich ihre Patenschaft. Allen war klar, Ortsbürgermeister Ferd Knaudt formulierte dies so in seiner Ansprache, dass eine Patenschaft Menschen auf beiden Seiten braucht, die sie mit Leben füllen und sich ihrer annehmen. Auch wenn es diverse Wechsel bei den Kommandeuren und Kompaniechefs gab, die Kontakte miteinander intensivierten sich im Laufe der Jahre, man besuchte und unterstützte sich gegenseitig. Ein Höhepunkt, dem die Bevölkerung teilweise skeptisch gegenüber stand, war das öffentliche Gelöbnis am 6. Mai 1983 auf dem Marktplatz. Im gleichen Jahr verlieh der damalige Fremdenverkehrsverein Winningen der Patenkompanie den Winninger Weinpreis. Der mit 500 Litern Winninger Wein dotierte Preis, stärkte die Beziehung mit der Patenkompanie, die sich 1984 mit der Pflanzung eines Baumes auf dem neugestalteten Marktplatz revanchierte. Neben zwei weiteren Feierlichen Gelöbnissen 1991 und 1997 richtete die Gemeinde1993 eine gemeinsame Paten- und Partnerschaftsveranstaltung mit der 1. Kompanie des Pionierbataillons 320 und dem Gambrinus Komitee Mendig in Sachsen-Anhalt aus. W07_Winningen-3444bAuch der Außerdienststellungsappell des Pionierbataillons 320 am 21. Februar 2003 bereitete der langjährigen Verbundenheit kein Ende, eine neue Patenschaft mit der 1. Kompanie des Stabs- und Fernmeldebataillons 283 wurde begründet. Geprägt von großen Emotionen fand am 13.12.2012 auf dem Winninger Marktplatz der Rückkehrer Appell für Soldatinnen und Soldaten statt, die ihren Dienst im Kosovo und in Afghanistan geleistet hatten. Im Rahmen der Strukturreform der Bundeswehr wurde das Führungsunterstützungsbataillon 283 aufgelöst. Zunächst auf Eis gelegt, flammte der Patenschaftsgedanke im September 2017 wieder auf. Major Uwe Sigmund, Chef der 6. Kompanie, zeigte sich begeistert von Winningen und aufgeschlossen gegenüber einer neuen Patenschaft. Die Kompanie sollte ihre Weihnachtsfeier im schönen Moselort durchführen, was dann auch im Dezember geschah. Einen Monat zuvor nahm eine Abordnung der 6. Kompanie am alljährlichen Gedenken für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Winninger Friedhof teil. Am 3. Dezember 2018 beschloss der Ortsgemeinderat einstimmig, die Begründung einer Patenschaft, die am 14. Januar 2019 vom Kommandeur des Kommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung Generalstabarzt Dr. Stefan Schmitt in Weißenfels genehmigt wurde. Dieses führte zur Feierlichen Beurkundung der Patenschaft zwischen der Gemeinde Winningen und der 6. Kompanie des Sanitätsregiments 2 Führungsbereich Koblenz am 7. Februar 2019 in der August-Horch-Halle in Winningen. Der Einladung von Ortsbürgermeister Eric Peiter waren neben Mitgliedern/innen aus Verwaltung, Gemeinde und Ausschüssen, dem Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld, auch zahlreiche Vertreter/innen der Ortsvereine gefolgt. Eric Peiter hieß die zivilen Gäste herzlich willkommen, anschließend begrüßte er die ranghohen Vertreter der Bundeswehr: Herrn Generalarzt Dr. Bruno Most – Standortältester Koblenz-Lahnstein, den Kommandeur des Sanitätsregiments 2 Führungsbereich Koblenz Herrn Oberfeldarzt Matthias Marth und Herrn Oberstleutnant Mustafa Stefan Talas. Besondern willkommen hieß Eric Peiter diejenigen, die an diesem Abend bei der Begründung der Patenschaft die Hauptrolle spielten: die Soldatinnen und Soldaten der 6. Kompanie des Sanitätsregiment und Herrn Major Uwe Sigmund. Die Feierstunde wurde musikalisch vom Kammerensemble des Heeresmusikkorps Koblenz begleitet. Vor der Enthüllung der Patenschaftsurkunde, drückten die Beteiligten ihre Freude und ihren Stolz darüber aus. Sie bekräftigten die Wichtigkeit der Patenschaft, die ein vertrauensvolles Miteinander zwischen den Soldaten und der Bevölkerung fördert. Denn für ein von Vertrauen und Verständnis bestimmtes Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr ist – neben grundlegendem Wissen um ihre Aufgaben und ihren Auftrag – vor allem persönlicher Kontakt ein entscheidender Faktor. Patenschaften von Dienststellen der Bundeswehr und Gemeinden sind ein sichtbares Zeichen der gesellschaftlichen Anerkennung und Wertschätzung. Auf eine gemeinsame Zukunft freuen sich auch Weinkönigin Julia Richter und Weinhex Jaqueline Krause: „Bei uns seid ihr gut aufgehoben, bei einem Glas Wein wurden schon viele Freundschaften geknüpft.“ Seinen persönlichen Einsatz für die Patenschaft unterstrich Major Uwe Sigmund mit den Worten: „Gemeinsam sind wir stark!“ Es ist der Schlachtruf des Verbandes und der Einheit, der nicht  nur für den Bezug auf militärische Auftragserfüllung, sondern auch für die Einbindung der Bundeswehr in die Gesellschaft und für das Selbstverständnis der Truppe eine enorme Bedeutung hat, so Major Sigmund. Ausführlich beschrieb er die Aufgaben des Führungsbereichs: „Wir- die 6. Kompanie – sind als Versorgungs- und Unterstützungskompanie die Dienstleister für das gesamte Bataillon. Angefangen bei der Bereitstellung von Transportkapazität für Personal und Material, über die Materialbeschaffung und dessen Erhalt sowie die Sicherstellung der Führungsfähigkeit durch Fernmeldemittel und IT-Ausstattung, zeichnen wir für die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen zur Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Behandlungseinrichtigungen verantwortlich.“ Er nannte die Herausforderungen, denen sich Soldaten und Angehörige stellen müssen und ging auf die Kritik und Nachfragen zum Auftrag der Streitkräfte ein. Major Sigmund sieht den Kontakt und die Einbindung des oft zitierten „Staatsbürgers in Uniform“ in die Bevölkerung als unabdingbar: „Gemeinsam- stark! Der einstimmige Ratsbeschluss des Winninger Gemeinderates zum Abschluss der Patenschaft ist für uns eine große Anerkennung und Ehre. W07_Winningen-3433bGemeinsam werden die Gemeinde und die Einheit die Verbindungen weiter ausbauen und dafür Sorge tragen, dass unsere Werte in unserem schönen Land aufrechterhalten und weitergelebt werden.“ Bevor er gemeinsam mit Ortsbürgermeister Eric Peiter die Patenschaftsurkunde enthüllte, gedachte man der Kameraden und Kameradinnen, die sich im Auslandseinsatz befinden. Abschließend dankte Eric Peiter allen, die durch ihre Teilnahme bekundeten: „Das Ihnen diese Patenschaft wichtig ist. Denn auch in Zukunft braucht diese Patenschaft Ihre Unterstützung, damit sie lebendig bleibt und sich für beide Seiten fruchtbringend entwickeln kann.“ Ein nachfolgender Imbiss gab allen Gästen die Gelegenheit zu guten und interessanten Gesprächen.  EP