Eine charmante Weinprobe, eine farbenfrohe Ausstellung und ein leuchtender Punkt

Heimatliebe und Verbundenheit waren auch am 2. Tag des Wein- und Burgenfestes in Kobern-Gondorf ein Thema

Auszeichnung der Kulturlandschaft und des Steillagenweinbaus

Kobern-Gondorf. Als sich 2015 vier junge Mädels entschlossen, die Tradition der Weinmajestäten in Kobern-Gondorf wieder aufleben zu lassen, zeigten sie damit die Verbundenheit zu ihrer Heimat. Katharina, Maria, Johanna und Franziska waren mit sehr viel Leidenschaft bei der Sache. Darauf wurde die Künstlerin Petra Müller (www.petraart.com) aufmerksam, die in Kobern-Gondorf lebt und verzaubert ist von der Kulturlandschaft. Das drückt sich in ihren Kunstwerken aus. Von ihr stammte die Idee, die Weinmajestäten mit einem Body Painting zu schmücken und sie fotografisch in die einmalige Kulturlandschaft ein zu betten. W28_Kobern_Krönung-04581Sie gab dem Kunstwerk den Namen „Heimatverbundenheit“. Auch für die zwei Jahre später folgenden Weinmajestäten Julia, Katrin und Nicola ist ihre Heimat wichtig. Wieder drückte ein Body Painting von Petra Müller das aus, diesmal nannte sie es „Heimatliebe“. Viele Fotos entstanden, und die Zeit für eine Ausstellung dieser war gekommen. Das diesjährige Wein- und Burgenfest bot dazu die beste Gelegenheit. Der rechte Ort fand sich im ältesten Fachwerkhaus Rheinland-Pfalz, denn dort gestalteten die neue Weinkönigin Kerstin und ihre Prinzessinnen Anne und Lorena eine Weinprobe. Sie hatten in den Abteihof St. Marien eingeladen. Dort stellten sie vier Weine Kobern-Gondorfer Weingüter vor, und passend zum Weinfest brachten sie den Gästen Schmuckstücke des Ortes näher: die historischen Weinhöfe. Dazu gehört auch der Abteihof St. Marien, im Jahr 1320 errichtet gehörte er zu den ehemals bedeutendsten und reichsten Herren- und Weinhöfen Koberns. Abwechselnd informierten die frisch gekürten Weinmajestäten über die Historie sowie über die aktuellen guten Tropfen aus den Fässern der Weingüter Dötsch-Haupt, Gries und Moselhaupt. Alle royalen Weinrepräsentantinnen können sich selbst einen Wein nach ihrem Geschmack aussuchen. In diesem Jahr ist es die 2018er Niederfeller Fächern Riesling Spätlese aus dem Hause Moselhaupt. Der zum Majestätenwein gewordene Riesling ist lieblich angebaut. W28_Kobern_Krönung-04579Warum  diesmal ein lieblicher Wein ausgesucht wurde, erklärte die Weinkönigin ihren Gästen folgendermaßen: „Wir haben diesen Wein – doch eher etwas ungewöhnlich – gewählt, da wir speziell jüngere Leute damit ansprechen wollen. Ich hoffe, dass wir auch Sie von den Vorzügen eines „nicht allzu trockenen“ Weines überzeugen können. Ein ganz spezielles Prosit – mit dem diesjährigen Majestätenwein!“ Während der Weinprobe hatte Petra Müller die Gelegenheit, das Handling des Body Paintings zu erklären. Humorvoll erzählte sie über Hindernisse dieser Low Budget Aktion. Terminfindung und Örtlichkeiten waren eine Herausforderung, die Kunstwerke erschaffen und über den ganzen Tag erhalten eine andere. Immer wieder erregten die Akteure beim Fotoshooting Aufmerksamkeit. Aber auch bei den „royalen Müttern“, die um die Ehre ihrer Kinder fürchteten. Das stellte sich als unbegründet heraus, gezeigt wurden nur die Rücken. Und wie gestaltete sich die Vorderseite? Klebeband und Panzertape verhüllten, was nicht sichtbar sein sollte und durfte. Die entstandenen und ausgestellten Kunstwerke – fotografisch festgehalten – waren ein besonderes Erlebnis und begeisterten die Gäste. Petra Müller wünscht sich auch die neue Regentschaft verschönern zu dürfen: „Wer weiß, was mir für euch einfällt.“ Ein weiterer Höhepunkt schloss sich der Weinprobe an. Ortsbürgermeister Michael Dötsch lud die Gäste ein, ihm auf den Marktplatz zu folgen. W28_Kobern_Krönung-04584Dort bekam er den Leuchtpunkt „Koberner Schlossberg“ überreicht, mit dem die Koberner Weinlage als „Lebendiger Moselweinberg“ ausgezeichnet wurde. Unter den Gästen, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten, war die neue Kreisbeigeordnete des Landkreises Mayen Koblenz Frau Birgit Meyreis, die Landrat Dr. Alexander Saftig vertrat, Herr Armin Kraft Leiter Liegenschaften und stellvertretender Leiter Direktion Burgen, Schlösser und Altertümer, sowie der ehemalige Ortsbürgermeister Hans-Josef Koggel, der viele Jahre die Geschicke des Ortes maßgeblich beeinflusste. Die Moderation dieses Events lag in den Händen der Naturerlebnisbegleiter Chris und Kalle Grundmann. Sie hatten die Bewerbung sehr aktiv mit betrieben, fühlen sie sich doch der Kulturlandschaft und dem Weinbau sehr verbunden. Überreicht wurde die Auszeichnung von Norbert Müller vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel. Mit dem Leuchtpunkt – eine Initiative des Landes Rheinland-Pfalz – werden „Lebendige Moselweinberge“ ausgezeichnet. Der Fokus liegt auf dem Naturraum vor Ort und dessen besondere Fauna und Flora. Der Bezug des Menschen auf den Natur-, Kultur- und Landschaftsraum soll gestärkt werden. Der Koberner Schlossberg ragt zwischen tief eingeschnittenen Seitentälern 130 Meter über der Mosel empor. Bereits früh hatte sich der schmale Gebirgsrücken als idealer Standort für den Bau einer Burganlage erwiesen, die später um eine zweite Burg ergänzt wurde. Zwischen den steilen Hängen und der Mosel entwickelte sich der Weinort Kobern, erstmals 980 n. Chr. urkundlich erwähnt. An den steilen Talflanken wird traditionell Weinbau betrieben. Der exponiert liegende Gebirgssporn strotzt vor kulturhistorischen Denkmälern und einer beeindruckenden Vielfalt wärmeliebender Pflanzen- und Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Das alles steht für einen Leuchtpunkt der Artenvielfalt am Koberner Schlossberg. Diesen nahm Ortsbürgermeister Michael Dötsch mit Stolz entgegen, denn auch er zeigt gerne seine Verbundenheit mit der Heimat. Wann dieser Leuchtpunkt seinen Weg zum Schlossberg findet, steht noch nicht fest. EP